Die Ufo Akten 12: Die Eismumie

Stefan Hagedorn

Mit Stefan Hagedorn betritt ein neuer Autor die Bühne der UFO Akten. “Die Eismumie” könnte bis auf einige vage Hinweise in Richtung der von Ian Rolf Hill eingeführten “Grauen” ein alleinstehender Roman sein, der ein Phänomen einführt, aber inhaltlich nicht abschließt. 

Am Ende des temporeichen Romans stehen alle Seiten buchstäblich mit leeren Händen und vielen Fragezeichen da. Eine Idee, welche vor allem Akte X Fans aus der Fernsehserie oft genug verfolgt haben. Manchmal wurden die Handlungsstränge später wieder aufgenommen, andere verliefen buchstäblich im Nichts. 

Die Ausgangsbasis ist interessant. Auf einem abgeernteten Lavendelfeld - Zufall oder Absicht ? - in Blanco, Texas findet ein Farmer eine in Eis eingeschlossene Leiche. Wie sich herausstellt, handelt es sich sogar um einen Mann aus dem Ort. Da der nächste noch existente Gletscher mehreren tausende Kilometer entfernt ist, der Winter noch auf sich warten lässt und der Eisklotz offensichtlich nicht ausgegraben worden ist, weckt die Entdeckung nicht nur die Neugierde der überforderten Polizei, sondern auch McKay attraktiven Spürhund wie auch das Interesse des Conroy/ Davenport Teams. 

Die Extrapolation der Idee ist funktioniert im ersten Drittel des Heftromans gut. Neben dem seltsamen Fund verhält sich das Eis nicht unbedingt den klassischen Naturgesetzen folgend und der Arm eines Polizisten wird schnell wieder eingeschlossen. Das Schicksal des Mannes wird mittels seiner Familie und Freunden aufgerollt. Anscheinend hat er sich wenige Wochen vor seinem “Unfall” schon seltsam verhalten und eher eine Gemeinde in der Church Street aufgesucht als seinen normalen Alltagsmustern zu folgen.  

Auch finden sich in der Leiche Spuren eines seltsamen Stoffes, den es nur in sehr geringen Mengen auf der Erde - in einem Labor in Texas unter militärischer Sicherheitsbewachung - und wahrscheinlich verstärkt im All gibt. 

Zusätzlich beginnen weitere Menschen zu verschwinden. Aufzeichnungen werden manipuliert und jemand versucht die Beweise unter Kontrolle zu bringen. Im Gegensatz zu den Protagonisten weiß der Leser durch die Entwicklung verschiedener Handlungsstränge, das es nicht McKay Agentin oder anders herum Conroy/ Davenport sind, die sich die Beweise sichern.     

Bis zur Mitte des Plots funktioniert diese Vorgehensweise ausgesprochen gut. Die Fremden scheinen den Ermittlern auf verschiedenen Ebenen immer einen Schritt voraus zu sein. Im letzten Drittel des Heftromans muss Stefan Hagedorn anfangen, die verschiedenen Handlungsbögen miteinander zu verbinden. Die Spielchen zwischen NSA und Conroy/ Davenport mit der Kameraüberwachung oder dem Diebstahl des Laptops füllen die Seiten gut, aber wie eingangs erwähnt verzichtet der Autor auf eine gänzliche Auflösung seines Plots. 

Diese Ambivalenz würde weniger stören, wenn sie nicht derartig umfassend wäre. Alle stehen mit leeren Händen dar und wissen, das die Gegenseite im Grunde auch nichts erreicht hat. Vage Vermutungen füllen die letzten Seiten, aber das reicht nicht, um das intellektuelle Hungergefühl zu befriedigen. 

Stefan Hagedorn spinnt den mit den Grauen angefangen roten Faden bei den neu verfassten Romanen fort und lässt die Serie in sich geschlossener erscheinen als es die Erstveröffentlichung der Taschenhefte aufwies. Mit Carter Jacksons “Das Lindwood Projekt” kehren die Herausgeber zur ursprünglichen Reihenfolge mit einem neuen Roman und einem Nachdruck zurück. Es bleibt abzuwarten, ob der Spannungsbogen mit den Grauen intensiviert wird. 

Als Fazit bleibt, dass “Die Eismumie” inhaltlich ein weniger schwächer ist als seine Vorgänger. Auch der Zugang zu den Protagonisten gelingt Stefan Hagedorn weniger gut als den Mitstreitern. Die Chemie zwischen Conroy und Davenport hat sich ein wenig abgekühlt, einige der Actionszenen wirken eher mechanisch niedergeschrieben und die Spannungskurve selbst für diese besondere Art der Mystery Serie zu offen “abgeschlossen”.     

Die UFO-AKTEN | Romanheft

Bastei Verlag

Heftroman, 64 Seiten