Yolo- Wir treffen uns im nächsten Level

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Paul Sanker

Wie Herausgeber Michael Haitel auf seiner Homepage sagt, ist die Publikationsgeschichte von Paul Sankers „Yolo“ deutlich länger als geplant gewesen. Die letzten Veröffentlichungen des Autoren, der sich angeblich inzwischen als Schriftsteller zurückgezogen hat, stammen aus den Jahren 2012 und 2013. In diesen Jahren hat der 1958 in Köln geborene und 2008 literarisch aktiv gewordene Paul Sanker nach seinem ersten Roman „Der Tod aus einer anderen Welt“ einen Krimi „Brutus und der Rotlicht- Kolibriu“ sowie das Kinderbuch „Emma, die kleine Stubenfliege“ verfasst.

Anschließend folgten noch einige Kurzgeschichten, bevor jetzt mit „Yolo- Wir treffen uns im nächsten Level“ ein Buch vorliegt, das auf der einen Seite als Ausgangsbasis keine unbedingt neuartige Idee – im wahren Leben Versager, in der Online Spielewelt ein Held – präsentiert, auf der anderen Seite aber mit ein wenig Geduld zu Beginn durchaus eine spannende Geschichte zu erzählen sucht.

Der Protagonist und Dreh-/ Angelpunkt der Geschichte ist Henrik Wanker. Er entspricht wie oben erwähnt den Klischees des Online Rollenspielers. Weltabgewandt, dicklich, ungepflegt und vor allem introvertiert. Sein Verhalten gegenüber der Umwelt entspricht seinen Handlungen im Online- Spiel „Kingdom of Fantasy“. Es ist ohne Frage mutig, einen unsympathisch und vor allem für die Leser auch eher unzugänglichen Charakter in den Mittelpunkt eines Romans im Gegensatz zu einer Kurzgeschichte zu stellen. Aber Paul Sanker umschifft mit dieser realistischen Prämisse auch einige idealisierte Ansätze vor allem auch des amerikanischen Unterhaltungskinos beginnend quasi mit „Wargames“ aus den achtziger Jahren, in denen aus den metaphorischen onlinespielenden Schwänen doch irgendwie Prinzen geworden sind.

Der Protagonist bricht mit seinem ganzen Umfeld. Daran ist er selbst schuld. Das macht Paul Sanker auch dem Leser überdeutlich. Die einzige Kontaktperson, vielleicht sogar der einzige Freund ist ein dreizehn Jahre alter Punk.

Im Grunde liegen Triumph und Tragödie für Henrik Wanker eng zusammen. Mit Spiel gewinnt er mit seiner Gilde einen magischen Armreif, in der Realität verliert er wenig überraschend Wohnung und Job.

Ab diesem Moment beginnt Paul Sanker in die Handlung phantastische Elemente einzubauen. So kann Henrik den magischen Armreif ohne weitere Erklärungen aus der Welt des Spieles in die „Realität“ mitnehmen und bei einem Pfandleiher anbieten. Dieser will ihn aber nicht kaufen. Vorsichtig erweitert Paul Sanker den Handlungsraum. So findet sich Blut eines Trolls nach dem imaginären Kampf auf Henriks Klamotten oder ein Blatt weht aus der Fantasy Welt in die Gegenwart.

Der nächste Schritt ist daher für den Leser lange vor dem Charakter logisch. Im Spiel getötete Antagonisten sind auch in der Realität plötzlich verstorben.  

Das größte Problem des Romans in die absolute Vorhersehbarkeit. Während Rollenspiele immer wieder die Protagonisten fordern, wenn sie ein bestimmtes Qualitätsmerkmal erfüllen wollen, orientiert sich Paul Sanker an einem zu geringen gemeinsamen Nenner. Der magische Armreif ist der Schlüssel zu der Geschichte und wenn nicht nur Henrik, sondern auch einige seiner Antagonisten beginnend beim  Pfandleiher schneller und entschlossener reagiert hätten, wäre der Roman sehr viel schneller zu Ende gewesen. So baut der Autor immer wieder Wendungen um ihrer Selbst willen ein, aber nicht um den Plot zu extrapolieren, sondern ihn leider an vielen Stellen in die Länge zu ziehen.

Auch die Auflösung der Geschichte bürgt zu wenige Überraschungen. Vor einigen Jahren wäre das Ende wahrscheinlich origineller und effektiver gewesen als in der Gegenwart, in welcher nicht nur die Spiele per se, sondern auch die sich mit diesem Thematik auseinandersetzenden Geschichte ein leider dem Titel entsprechendes deutlich höheres Level erreicht haben. Der Leser kann allerdings auch verstehen, dass Paul Sanker den ganzen Plot nicht noch einmal umgestalten wollte. Viele Schlüsselmomente lassen sich trotz der heute deutlich erkennbaren Schwächen eben nicht auseinander dividieren.

Neben Henrik Walker hat der Autor die anderen Haupt- und Nebenfiguren mit ihren einzelnen Lebensgeschichten – das Wort Schicksal schwingt zwar im Hintergrund mit, dazu sind deren hier skizzierte Leben allerdings zu eindimensional und uninteressant – teilweise sehr ausführlich charakterisiert. Es gelingt ihm nicht, eine einzelne Figur wirklich zugänglich und sympathisch zu beschreiben. Das ist keine Notwendigkeit, damit ein Buch funktioniert, aber die Identifikation mit den Protagonisten ist schon deutlich eingeschränkt und das in Kombination mit einer leider leicht vorhersehbaren Handlung macht die Lektüre nicht leichter. Wenn eine Prostituierte mit dem goldenen Herz sowie ein hilfreicher Zwerg aus der Masse der Figuren positiv herausragen, kann der Leser erkennen, woran es in diesem Buch zusätzlich hapert.

Zu den Stärken des Buches gehört, dass sich der Autor Paul Sanker nicht entmutigen lässt und die Geschichte mit einem gut zwischen Hintergrund- und Actionszenen abgestimmten Tempo inklusiv der schon angesprochenen Charakterisierung der handelnden Personen erzählt. Spannungstechnisch ist das Buch ein Wechselbad der Gefühle, einzelne Szenen hätten auf dem Weg zum obligatorischen Finale auch nuancierter und vor allem auch vielschichtiger abgehandelt werden können. Da bedient der Autor zu sehr die angesprochenen Klischees aus dem Rollenspielsektor, ohne diese in eine neue Richtung weiter zu entwickeln.

Zurück bleibt bei „Yolo- Wir treffen uns im nächsten Level“ eine Art Arbeitshandbuch für an Online Rollenspielen interessierte Leser, das sich schwertut, die Sympathien der Leser vorbehaltslos zu verdienen, aber zumindest eine solide, leider auch sehr vertraute Unterhaltung mit einer Vielzahl zu eindimensional gezeichneter Protagonisten anbietet.

Paul Sanker
YOLO
Wir treffen uns im nächsten Level
AndroSF 113
p.machinery, Winnert, Mai 2021, 364 Seiten, Paperback
ISBN 978 3 95765 243 0 – EUR 16,90 (DE)
E-Book: ISBN 978 3 95765 854 8 – EUR 4,99 (DE)