Das Haus Zamis 57: Es wird kommen die Nacht

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Logan Dee & Michael Marcus Thurner

In „Das Haus Zamis“ 57 ersetzt Susanne Wilheim Michael Marcus Thurner als Autor. Dadurch fehlt dem Roman ein wenig der Wiener Schmäh, diese unscheinbare und doch nachhaltige Aufklärung der Leser über Wichtiges, aber vor allem positiv gesprochen Unwichtiges, aber Aufregendes aus der österreichischen Hauptstadt.

Damit soll nicht ausgedrückt werden, dass Susanne Wilhelm alias Andrea Bottlinger eine schlechtere Autorin ist, aber ihr fehlt stilistisch die Frechheit, mit welcher vor allem Michael Marcus Thurner und viele Jahre vorher Ernst Vlcek ihre österreichischen Arbeiten nicht nur stilistisch, sondern vor allem auch hintergrundtechnisch aus der Masse hervorgehoben haben.

 Im ersten Teil des Romans wird noch einmal auf eine klassische Idee zurückgegriffen. Immer wieder erscheint basierend auf der „Carmilla“ Legende die Blutgräfin in der Horrorliteratur. Allerdings wie bei Vampiren unabhängig vom omnipräsenten „Dracula“ ist es schwer bis fast unmöglich, dieser Thematik wirklich nachhaltig neue Aspekte abzugewinnen. Natürlich kann man als Autor provozieren oder verändern, aber der eigentliche Handlungsstrang folgte markanten Stereotypen. Selbst die überall gelobte neue blutige BBC/ Netflix Produktion basierend auf Bram Stokers Originalroman kann sich in dieser Hinsicht  auch nicht neu erfinden.

 Verbunden wird dieser Handlungsabschnitt mit dem Schicksal Juna Zamis, die ja auch unter der veränderten Coco Zamis leiden muss. Auch wenn Exposeautor Uwe Voehl mit den Helfershelfern der Blutgräfin bizarre Kreaturen einführt, ahnt der Leser ihre Absichten sehr früh.

 In Wien selbst will Asmodi sich sowohl um Juna als auch Coco Zamis natürlich nur kümmern lassen. Mit Hieronymus Toth greift er auf den Bruder Scarabäus zurück. Der Begriff des Schiedsrichter trifft ja nur bedingt auf die beiden Brüderr zu, aber erstaunlich gelassen wird mit dem Aspekt umgegangen, dass Scarabäus Toth immer noch im Hause der Zamis gefangen gehalten wird. Natürlich liegt der Fokus mehr auf Cocos Verwandlung zu einer bösen Hexe, welche vordergründig die Machtgefüge in Wien durcheinander bringen soll, aber hintergründig ist ausgerechnet Scarabäus wie mehrfach in der Serie betont auch der Hüter vieler Geheimnisse, deren Kenntnis den Zamis deutlich mehr helfen und Asmodis Seite mehr schaden könnten.

 Das Coco Zamis in ihrer Verblendung auch nach Asmodis Position greifen will, erscheint ein wenig zu stark konstruiert. Natürlich ist Ambition immer eine grundsätzlich gute Sache, aber hier wirkt Cocos Ehrgeiz wie eine Art Größenwahn, der mit ihrer von außen herbeigeführten Verwandlung in einem engen Zusammenhang stehen kann. Der Leser sieht ja momentan nur ihre Pläne, die Hintergründe wirken eher ausgeblendet.    

 Natürlich ist es den Autoren freigestellt, einen bestehenden Charakter derartig auf den Kopf zu stellen, dass ihre Taten sadistisch brutal sind. Zum Einen entfernt man sich aber zumindest zeitwillig sehr von der Dorian Hunter Originalserie, wobei die Bezüge ja generell eher ambivalent gehanhabt werden, zum Anderen muss Coco Zamis wahrscheinlich irgendwann wieder zum schlechten Gewissen der Dämonen und so zu einer Heldin mit dunklen Flecken auf der Seele, aber weitab von allem grundsätzlich Bösen werden.  Daher ist es ein sehr schmaler Grat, auf dem sich die Autoren bewegen.

 Der Leser darf die Figur nicht endgültig verlieren. Immerhin bestand ja der Reiz der Abenteuer der jungen Hexe auch aus dem Kontrast zwischen der mit dämonischen Fähigkeiten wie einem Gewissen ausgestatteten Coco Zamis, mit nicht nur mit Eleganz und Intelligenz, sondern auch einer Portion Glück böse Aufträge sowohl von der Familie als auch Asmodis umschiffen und trotzdem erledigen konnte. Dieser Aspekt geht den Romanen der Serie momentan gänzlich verloren, weil auch kein Gegengewicht etabliert worden ist. Immer nur sadistische Morde zu lesen und keine schockierten Reaktionen feststellen zu können, nimmt den Büchern momentan auch ein wenig den Reiz.

 Es bleibt abzuwarten, ob das Autorenteam diesen Handlungsfaden nachhaltig ausreizen möchte oder in Bälde wieder das moralische Gleichgewicht herstellen wird, aber „Es wird kommen die Nacht“ verliert im direkten Vergleich zum letzten Band ein wenig an Reiz, weil der zugrundeliegende Plot sich in einigen bekannten und weniger markanten Mechanismen zu verlieren droht.  

 

Cover Das Haus Zamis 57

www.zaubermond.de

Taschenbuch, 256 Seiten

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