Armageddon 2419

Philip Francis Nowlan

Der Verlag Dornbrunnen legt als deutsche Erstveröffentlichung die im August 1928 im „Astounding Magazine“ veröffentlichte Novelle „Armageddon 2419 A.D.“ vor. Die von Philip Francis Nowlan verfasste Geschichte bildete zusammen mit der bislang nicht übertragenen direkten Fortsetzung „The Airlords of Han“ die Grundlage der späteren Buck Rogers Comics.  Zwischen diesen beiden Teilen erschien im Januar 1929 der erste „Buck Rogers“ Comic, den Nowlan ebenfalls schrieb.

Der 1888 geborene und 1940 verstorbene Nowlan  gehört zu den heute eher vergessenen Pulpautoren. Bis zu seinem Tod konzentrierte sich Nowlan auf die „Buck Rogers“ Comics. Vorher und während der „Buck Rogers“ Comicphase verfasste der Amerikaner weitere, heute eher unbekannte Science Fiction Pulp Geschichten.

 Anthony Rogers sieht sich als Chronist. Er spricht in der Einleitung die Leser direkt an und beschreibt sein Schicksal als körperlich achtzig jähriger Mann, der in zwei Epochen gelebt hat, zwischen denen fast 500 Jahre liegen. Als Autor/ Chronist blickt er zurück auf die Zeit vor und direkt nach seinem Schlaf, der aufgrund seltsamer Stoffe in einer Höhle fast fünfhundert Jahre gedauert hat. Aber er blickt auch voraus in eine eher vage beschriebene Zeit, die nach „The Airlords of Han“ spielen könnte, durch den Erfolg der Comics allerdings in dieser Form von Nowlan nicht realisiert worden ist.

 Anthony Rogers fasst auf wenigen Seiten das Amerika zusammen, den er bei seinem Erwachen begegnet. Die sozialen, politischen und militärischen Entwicklungen rafft er mit einer gewissen Distanz eher beiläufig zusammen. Im Laufe der temporeichen Geschichte wird er insbesondere auf die Feinde der verbliebenen Amerikaner, die unschwer als Chinesen/ Mongolen erkennbaren Hans, immer wieder eingehen.

 Im Grund erwacht Rogers in einer Art grünen Amerika. Gigantische Wälder bedecken den Kontinent, die Bevölkerung ist verteilt und zahlenmäßig klein. Es gibt noch Industrie, es gibt technische Wunder wie die Antischwerkraftgürtel, mit denen die Menschen Elfen gleich von einem zum nächsten gigantischen Baum schweben und so große Entfernungen zurücklegen können. Die verbliebenen Amerikaner verfügen zwar noch über technische Anlagen, die meisten sind aber eher getarnt und dienen nicht unbedingt militärischen Zwecken. Es gibt aber einen eher passiven Widerstand. Aus den Wäldern heraus wollen sie sich gegen die über gigantische Luftschiffe und schwere Waffen verfügenden Han wehren, aber es fehlt ihnen die militärische Brillanz und im Grunde auch ein Führer, welcher als Kopf die heraufdämmernde neue Ära symbolisieren könnte.

 Im Gegensatz zum später ebenfalls populären „Flash Gordon“ Comic ist Anthony Rogers in der Zukunft alleine. Er findet zwar schnell eine Gefährtin, mit welcher er auch Beischlaf praktiziert, aber kein genialer Wissenschaftler wie Dr. Zarkov steht ihm zur Seite. 

 Beginnend mit dem ersten Widerstand erweist sich Anthony Rogers als der perfekte ultimative Held. Auch wenn die Zukunftsamerikaner über eine bessere Technik und immer noch erstaunliche Waffen verfügen, ist es das Ingenieurswissen, das der kleinen Gruppe trotz mehrere Rückschläge hilft, dem Feind selbst in deren Stadt – auf den Ruinen von New York weit in den Himmel ragend gebaut – einen empfindlichen Schlag zu versetzen.

 Die zweite Hälfte der Novelle besteht aus einer Aneinerreihung von militärischen Szenen sehr unterschiedlicher Qualität. Anfänglich wollen die Han gar nicht glauben, dass sie einen der Himmelskreuzer verloren haben. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Schiffen ist basierend auf dem Stand der damaligen Technik die Achillesverse. Zwar können Bildern aus dem Schiffsinneren ohne Ton ohne Zeitverzögerung transportiert werden,; dafür dauert es erstaunlich lange, bis die Han eine Schwäche in der eigenen Schiffsabwehr erkennen. Ohne zu viel zu verraten ist Rogers auch schon auf die Verbesserung vorbereitet und nutzt die vorhandenen Waffen effektiver wie ein klein wenig anders. Das erscheint angesichts der militärischen Macht ein wenig zu naiv gestrickt und der stringente, sicherlich rasante Plot schert sich wenig um Details.

 Auch der Angriff auf die Hauptstadt der Han auf dem amerikanischen Kontinent – wie schon erwähnt über dem ehemaligen New York gebaut – basiert schon auf dem Prinzip Hoffnung als wirklich einem durchdachten Plan. Partisanentaktik, dazu eine intellektuelle, aber nicht technische Überlegenheit und ein Schuss Liebesglück zeichnen diese Szenen aus. Alles kann nur funktionieren, weil die Han eher staunend daneben stehen. Bisherige Verräter in den Reihen der Amerikaner wurden rechtzeitig vor der Mission ausgeschaltet, so dass die Menschen im Geheimen planen können.

 Das Ende ist offen, der erste Handlungs- und damit auch Kampfabschnitt ist zu Ende. Anthony Rogers weiß, dass ein Endsieg gegen die Eroberer noch in sehr weiter Ferne ist. Wille und Entschlossenheit stehen dem Feind gegenüber.

 Als Kriegsgeschichte liest sich „Armageddon 2419“ erstaunlich flott. Philip Francis Nowlan reiht sich damit in die Riege der Pre Golden Age Autoren ein, die den Ersten Weltkrieg mit bekannten Mitteln in deutlich dunklere, rassistischere Zukünfte übertragen. Keine Landser im  All, aber sehr nahe dran.

 Die Protagonisten sind eher schematisch gezeichnet. Anthony Rogers wird zwar von allen verehrt und er gewinnt auch die holde Hand seiner ersten Retterin Wendy, die in einer Kiste mit in die finale Mission fliegt, aber er ist kein Gemeinschaftstier. Eine Kommunikation mit der Zukunft findet ohne Probleme statt. Dank seines Ingenieurswissen verbindet er schnell Vergangenheit (sein Studium) und Zukunft, um effektivere Waffen aus dem Stehgreif zu entwickeln. Das wirkt ein wenig simpel, funktioniert aber in dieser Geschichte zufrieden stellend bis stellenweise ein wenig pathetisch/ heroisch überzeugend.

 Die Han als Nachkommen der Mongolen werden in der ursprünglichen Fassung höflich gesprochen als gelbe Gefahr tituliert. Der Herausgeber Sven-R. Schulz hat sich entschlossen, im eigentlichen Text diese rassistischen Entgleisungen zu entschärfen, sie aber in den entsprechenden Fußnoten nicht unter den Tisch fallen lassen. Dabei sind die Han klassische Eroberer. Relativ schnell ließe sich auch ein Bogen zu den jetzt in den gigantischen Wäldern hausenden Nachkommen der  Frontieramerikaner und ihrem Umgang mit den Indianern schlagen. Die wenigen Szenen mit direkten Konfrontationen sind eher actionorientiert und nicht sadistisch. Die Gräueltaten der Han werden eher erzählerisch beschrieben direkt von den Protagonisten erlebt.

 Wendy ist die einzige Frauenfigur in der Geschichte. Zu Beginn klärt sie den überforderten Anthony Rogers über die Zukunft auf und argumentiert auf Augenhöhe. Im Laufe der Handlung reduziert der Autor sie auf das klassischen Niveau der leidenden Freundin/ Frau des Überhelden, die entweder entführt oder bedroht wird, im besten Fall in der Ecke zu Hause um ihren Helden bangen darf. Je länger die Geschichte geht, um so mehr passt sich Nowlan den Pulp Klischees an.

 „Armageddon 2419“ ist basierend auf der van Winkle Idee oder aus H.G. Wells „Der Schläfer erwacht“ eine solide Pulpgeschichte, die Idee funktioniert im Comic ohne Frage besser als in der vorliegenden Form. Viele Ideen werden später auch die „Flash Gordon“ Serie beeinflussen. Das hat weniger mit dem ebenfalls asiatischen Ming als Antagonisten zu tun, sondern die Konzeption der Flugschiffe oder die gigantische, in die Höhe wachsende Stadt der Han findet ein interessanter Leser auf dem Planeten Mongo in kürzester Zeit ebenfalls wieder. Es ist kein Klassiker des Genres, der hier auf deutsch vorgelegt wird, aber gleichzeitig ist es auch angesichts der anhaltenden Popularität von „Flash Gordon“ und „Buck Rogers“ eine genrehistorisch wichtige Geschichte, welche der kleine ambitionierte Verlag Dornbrunnen im Rahmen der Taschenschmöker vorlegt.  

Armageddon 2419 (Taschenschmöker aus Vergangenheit und Gegenwart)

  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag Dornbrunnen; Unabridged Edition (1. März 2016)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 102 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3943275167
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3943275162
  • Originaltitel ‏ : ‎ Armageddon 2419 A.D.