Homo Sapiens 404- Band 6 "Wer bist Du, John?"

Claudia Kern

Der sechs Band schließt den erste Staffel der Serie „Homo Sapiens 404“ zufrieden stellend ab. Im Mittelpunkt steht nur auf den ersten Blick John Auckland, der sich die „TS. Eliot“ unter den Nagel gerissen hatte. Der Rückblick ist ihm gewidmet. Er erinnert allerdings deutlich mehr als einige Comicgeschichten wie Alan Moore „V for Vendetta“, in der die Regierung auch die Geschöpfe, die sie geschaffen hat, nicht mehr kontrollieren konnte und diese sich zumindest zeitweilig gegen die eigenen Schöpfer gewandt haben. Es ist auf der einen Seite der ausführlichste Rückblick auf die ungefähr vierzehn Monate zurückliegenden Ereignisse, auf der anderen Seite allerdings auch derjenige, welcher angesichts des charismatischen Charakters John Auckland auch ein wenig enttäuscht. Die Grundidee ist interessant, aber es fehlt im Vergleich zu den brutalen Schicksalen der „MISHIMA“ Besatzung die besondere Note. Hinsichtlich des gesamten Bildes bleiben zahlreiche Fragen offen. John Auckland agiert nicht eigenständig, wie die Botschaft im Epilog suggeriert. Auch die Zombieplage an Bord des Raumschiffes wird abschließend behandelt. Hier schließt sich der Kreis zum ersten Roman. Es ist Teil der zynischen Pointe, dass die Zombies an Bord dieses Raumschiffes etwas Besonderes sind und John Auckland quasi innerhalb der Familie aufräumen muss. Interessanter ist die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Jockeys. Während das Ende mit seiner brachialen wie allerdings eher aus der Luft hervorgezauberten Offensive der Menschen ein wenig konstruiert erscheint, versucht Claudia Kern in zwei semidemokratischen Abstimmungen sowohl an Bord der „T.S. Elliot“ als auch der „Destination Moon“ aufzuzeigen, wie klein geistig die Menschen sind. Die Argumentationskette der Jockey ist ohne Frage schlüssig und soll die doppeldeutige Moral der Menschen unterminieren. Zu diesem Zeitpunkt wird interessanterweise in erster Linie über die Zerstörung von NG 27 diskutiert, während die Frage zu diesem Zeitpunkt weiterhin unbeantwortet geblieben ist, ob die Jockeys für das Zombievirus verantwortlich sind oder nicht. Aber weitere Aspekte des Romans sind bemerkenswert und überraschend. Es gibt anscheinend einen Zusammenhang zwischen Genforschungen an Menschen und dem Zombievirus. Auf der anderen Seite werden ausgewählte Jockey aus bislang unbekannten Grund förmlich hingerichtet. Claudia Kern baut geschickt ohne die internen Konflikte zu vernachlässigen einige in den voran gegangenen Bänden angesprochene wichtige Handlungspunkte kontinuierlich auf, um in der folgenden Staffel über eine breitere Basis zu verfügen. Dabei verschiebt sie die bekannten Perspektiven nur ein wenig und schon verändert sich das Gesamtbild. Wie im ersten Roman kann über weite Strecken bis zum in mehrfacher Hinsicht offenen, aber auch zufrieden stellend überraschenden Ende die Restbesatzung der „MISHIMA“ nur reagieren und nicht agieren. Wie schon angesprochen profitiert die stringente und in diesem Fall auch in einem guten Verhältnis zum Umfang des Buches stehende Handlung von den in den voran gegangenen Abenteuern solide charakterisierten Protagonisten, die in zwei wichtigen Situationen gänzlich anders als erwartet reagieren. Wie schon im zweiten Band der Serie ist sich Claudia Kern nicht zu schade, auch vordergründig interessante und zumindest angedeutet auch wichtige Figuren – dabei spielt es keine Rolle, ob es Schurken oder „Helden“ sind – sterben zu lassen. In „Wer bist Du, John?“ sogar unter überraschenden Umständen. Auch wenn insbesondere der jeden Band einleitende Prediger mit seinen wenig besinnlichen Reden immer wieder auf cineastische Referenzen zurückgreift und das von Kipling mit menschlichem „Leben“ gefüllte intergalaktische Internet – ein positives Geschenk der Jockeys – eine intensive Auseinandersetzung mit der phantastischen Unterhaltungsliteratur sowie zahllosen Filmen oder Fernsehserien insbesondere der Gegenwart ermöglicht, ist der vorliegende Roman unabhängig von den Auseinandersetzungen mit den im Frachtraum der „T.S. Eliot“ befindlichen Zombies, die an eine Mischung aus Romeros „Day of the Dead“ und mehrfach angesprochen den „Alien“ Streifen erinnert, deutlich eigenständiger als der Auftaktband der Serie. Claudia Kern hat ihr Universum zufrieden stellend definiert und beginnt mit fast sadistischem Vergnügen die Erwartungshaltung der Leser mit geschickten Abweichungen von einem normalen Handlungsverlauf kontinuierlich und gegen Ende der vorliegenden Geschichte mit wachsendem Tempo hinsichtlich eines interessanten, aber nicht zu provokativem Cliffhangars hin zu unterminieren.

E- Books,

82 Seiten

Markus Rohde Verlag