Die Scareman Saga Band 12 "Allianz der Hoffnung"

Scareman Saga Band 12, Allianz der Hoffnung, Atlantis Verlag
Dirk van den Boom

“Allianz der Hoffnung” ist der zehnte und letzte von Dirk van den Boom gerschriebene Roman der „Scareman“ Miniserie. Es ist ohne Frage ein ausgesprochen ambitionierter Roman, der durch die verschiedenen „Baustellen“ so viel Stoff in sich trägt wie im mittleren Abschnitt der Serie drei oder vier Romane zusammen genommen. Es ist auf keinen Fall ein schlechter Band, der rückblickend allerdings auch im Gesamtkontext der Serie gesehen werden muss.

Nach dem Sieg über das „Blau“ – dessen Hintergründe werden ein wenig ambivalent wie mahnend lieblos im Epilog erläutert – im System der Akkari machen sich Sarcovic zusammen mit seinem Team auf, um im ehemaligen Imperium nach dem Rechten zu sehen. Der Weg führt sie auch zu der Basis, auf welcher die Scareman ausgebildet und von der aus sie auf ihre Missionen geschickt worden sind.  Durch diese Rückkehr zu den Wurzeln kann Dirk van den Boom das irrige, anscheinend von der Historie schon überholte Konzept der „Scareman“ Revue passieren lassen. Leider wird der Leser dadurch auch auf eine Problematik der ganzen Miniserie aufmerksam gemacht. Dieses auf den Kopf stellen des „Es ist schwer, ein Gott zu sein“; dieser Widerspruch zwischen der natürlichen Evolution eines Volkes mit seinen Fortschritten, aber auch vor allem kriegerischen Rückschritten und die Idee eines Mannes, der immer wieder notfalls auch tötend eingreifen muss, ist in den ersten Ausgaben faszinierend gewesen.

Dirk van den Boom hat Sarcovic stellvertretend für den Leser immer wieder mit den Folgen seiner Taten konfrontiert. Sowohl dem direkten Ausschalten und der Vernichtung von technischem Fortschritt wie dem angesprochenen Teleskop oder der Druckpresse sowie dem indirekten Abschieden eines überdurchschnittlich intelligenten Jungen in ein entferntes Kloster, das nicht den Fortschritt aufhalten konnte. 

Neben seinen moralischen Zweifeln hat Sarcovic mit dem Stranden der Ek-ek einen „Gegner“  , die genau eine gegenteilige Entwicklung anstreben und spätestens in dem Moment, in dem sie von der Existenz des Scareman wissen, dessen Manipulationen bekämpfen.

Die Ausgangsbasis ist originell und ungewöhnlich. Die ersten Romane der Serie gehören vor allem aufgrund der politisch soziologischen wie wirtschaftlichen Erfahrung zu den besten Romanen, die Dirk van den Boom zusammen mit seiner Schwester Sylke Brand seit einigen Jahren verfasst hat.

 Mit der ambivalenten Bedrohung durch das „Blau“ und der Zwang, das die einzelnen Gruppen zusammenarbeiten müssen, hat sich der Plot komplett gedreht.   Im Verlaufe des zweiten Miniserienteils hat der Autor zwar immer wieder unorthodoxe Wege gefunden, um mittels einer biologischen „Reinigungswaffe“ anfänglich nicht nur das Akkari System, sondern später zumindest in der Theorie auch einen Teil der Galaxis  zu retten. Es ist aber ein eher klassisches und damit auch unabhängig von kleineren Überraschungen auch latent vorhersehbares Szenario. 

Im letzten Band fügt dann Dirk van den Boom viele kleine Hintergrundinformationen beginnend mit der Betrachtung des „Scareman“ Programms aus der Sicht  der überlebenden Menschen in ihrem isolierten Habitat hinzu, dass sie offen gesprochen für eine weitere, eine zweite Miniserie ausgereicht hätten. Es wäre ohne Frage sinnvoller gewesen, die Idee der Destabilisierung einer fremden Zivilisation bis zu einem vorläufigen, aber ausschließlich „internen“ Ende durchzuspielen und vor allem den Scareman durch die Etablierung einer Gefahr von außen nicht so leicht aus dem anfänglich sehr gut entwickelten moralischen Dilemma zu entlassen.

In diesem letzten Band trifft die zusammengewürfelte, sich aber gut verstehende Mannschaft des buchstäblich aus Schrott zusammengesetzten einzigen Raumschiffs des Akkari Systems auf die angesprochenen Reste der Menschheit, die fast degenerierend auf ihrem vom Blau ignorierten Habitat leben.  Dirk van den Boom schmelzt dann wieder die vergangene Zeit zusammen und versucht viel zu abrupt und hektisch von den natürlich korrupten und verschlagenen Politikern/ Stationskommandanten ausgehend eine ultimative Bedrohung heraufzubeschwören, die quasi drang eines Eindringens in die Computer des Habitats negiert und schließlich umgekehrt wird.

Der Spannungsbogen wird viel zu hektisch, zu viel auf einmal wollend entwickelt und überrollt in diesem Tempo die vielen vorhandenen Ansätze, welche Dirk van den Boom in unterschiedlichen vergleichbaren Konstellationen in seinen alleinstehenden Büchern sehr viel ausführlicher, pointierter und für den Leser auch überzeugend nachvollziehbarer entwickelt hat. Die Hektik ignorierend zeigt der Saarbrücker Autor auch ein wenig melancholisch auf, dass die „Scareman“ Saga noch sehr viel Potential in andere Richtungen hat.

Auch die Verknüpfung des Blaus mit den Ek-ek ist nachvollziehbar, wenn auch nicht besonders originell.   Das krasse Missverhältnis Waffen/ Schöpfer/ Verstand mit den entsprechenden Folgen ist immer wieder angesprochen worden, aber angesichts der Entfernungen im All malt Dirk van den Boom hier ein zu „optimistisches“ Szenario, was die Ausdehnung des „Blaus“ angeht. Das unterminiert wieder den ein wenig belehrend vorgetragenen Ansatz, zumal in der Gesamthistorie gesehen mit der Idee des ersten Imperiums und den langen Schatten der Vergangenheit kein neuer Gedanke hinzugefügt werden kann.

„Die Allianz der Hoffnung“ endet auf einer versöhnlichen, aber nicht die grundlegende Problematik abschließenden Note. Dirk van den Boom verzichtet auf einen „Deus Ex Machina“ Effekt und vor allem verweigert seinen Lesern eine Rettung in letzter Sekunde Note. Das Akkari System ist momentan in Sicherheit, das Habitat der Menschen wahrscheinlich nicht einmal eine potentielle Rettung wert. Alle anderen Fragen könnten in einer zweiten Miniserie beantwortet werden.

Als Ganzes betrachtet unterhält die „Scareman“ Sage solide bis anfänglich sehr gut. Es ist schade, dass Dirk van den Boom irgendwann vom Weg abgekommen ist , den er mit den ersten vier/ fünf Ausgaben so überzeugend beschritten hat.  Dafür weist die zweite Hälfte mehr klassische Space Opera Elemente auf und überzeugt mit einem rasanten, sich im letzten Roman sogar überschlagenden Tempo.    

  • Taschenbuch: 130 Seiten
  • Verlag: Atlantis Verlag (15. Juni 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3864025141
  • ISBN-13: 978-3864025143