Die Piratenbraut

Originaltitel: 
Cutthroat Island
Land: 
USA
Laufzeit: 
123 min
Regie: 
Renny Harlin
Drehbuch: 
Robert King, Marc Norman
Darsteller: 
Geena Davis, Matthew Modine
Kinostart: 
25.04.95

Kurz nachdem sein eigener Bruder tödlich verletzt wurde, gesteht der sterbende Piratenkapitän Black Harry seiner Tochter Morgan Adams, dass auf seiner Kopfhaut ein Drittel des Lageplans von einem riesigen Goldschatz tätowiert ist. So bleibt Morgan nichts anderes übrig, als ihren Vater nach seinem Tod zu skalpieren.

Auf der „Morning Star“, dem Schiff ihres Vaters, tritt die ebenso schöne wie energische Morgan seine Nachfolge an und wird zur Piratenbraut – ohne allerdings wirklich liiert zu sein. Die steckbrieflich Gesuchte ist wild entschlossen, den Tod ihres Vaters zu rächen und den Schatz zu finden...


Filmkritik:
von Holger Lodahl (für SF-Radio.net)

Regisseur Renny Harlin hat sich wirklich alle Mühe gegeben, es seinem Projekt an nichts fehlen zu lassen und dem Filmgenre über Piraten, Schurken und kämpfende Schatzjäger neues Leben einzuhauchen.

Die wahrlich atemberaubende Landschaftskulisse, die das Kinopublikum in ihren Bann ziehen sollte, fand er auf Malta. Dort wurden dann auch die bis dahin größten Wassertanks der Filmgeschichte gebaut, um die groß angelegten Szenen auf hoher See authentisch und gigantisch erscheinen zu lassen. Über die Größe der Tanks gewinnt man einen Eindruck bei der Vorstellung, dass die beiden Schiffe zeitgleich in Originalgröße darin Platz gefunden haben sollen.

Auch der Sklavenmarkt und die komplette Stadt wurden opulent nachgebaut, um beides für die Flucht Morgans und ihrer Leute wieder in Schutt und Asche zu bomben. Dass auf diese Weise der Film über 100 Millionen Dollar gekostet hat, wundert da gar nicht mehr.

Viel Zeit und Mühe muss auch die Ausbildung und das Training der Schauspieler gekostet haben, die die ganze Filmlaufzeit nicht müde werden, ihre Künste des Reitens, Fechtens, Degenwerfen und anderer Dinge, die Piraten eben so tun, unter Beweis zu stellen.

Doch das alles hat nichts genutzt:

„Die Piratenbraut“ langweilt genauso wie die alten Klassiker, die heutzutage im TV-Nachmittagsprogramm allenfalls von Kindern gesehen werden.

Trotz seiner Bemühungen ist es Renny Harlin nicht gelungen, dem Genre neues Leben einzuhauchen. Polanskis Flop „Piraten“ einige Jahre zuvor war ihm keine Lehre.

Merkwürdig und fehlbesetzt erscheint da schon die Wahl der Hauptdarsteller Geena Davis und Matthew Modine.

Davis, mit attraktiver Dauerwelle, kämpft sich zwar bewundernswert durch die Actionszenen: Sämtlich Kampfsportarten scheint sie sich angeeignet zu haben und wird nicht müde, sich mit ihren neuen Fähigkeiten gegen die so finsteren Schurken zur Wehr zu setzen. Darüber hinaus gelingt es ihr aber nicht, der Figur der Morgan Tiefe und Charakter zu verleihen – was freilich an dem Drehbuch liegen mag, das jegliche Eigenschaften, die einer Hauptfigur beim Publikum positiv und sympathisch erscheinen lassen soll, vermissen lässt.

Matthew Modine hat durch die Übernahme dieser Rolle wohl gehofft, den Ruf als Sensibelchen los zu werden, den er sich durch seine vorherigen Rollen erarbeitet hat, aber als lateinsprechender Sklave taugt er nicht. Zu schmächtig und farblos wirkt er in den Kampfszenen. Auch als Liebhaber ist er nicht geschaffen, und da ist es nur schlüssig, dass Piratenbraut Morgan ihrem Namen auch am Ende des Filmes nicht gerecht wird und Single bleibt.

Zwischen dem Meisterdieb und ex-Sklaven Shaw und der Piratenbraut Morgan kommt keine Romantik auf, was durch zahlreiche fulminante Kämpfe, zahlreiche, ganze kulissenzerstörende Kanonenkugeln, nicht zögerliche eingesetzte Pyrotechnik und halsbrecherische Stunts zu kompensieren versucht wird.

Aber auf über zwei Stunden reicht das eben nicht aus. Auf diese Weise bleibt „Die Piratenbraut“ wie auch Polanskis „Piraten“ nur Wegbereiter, bis durch „Fluch der Karibik“ es dann doch gelang, dem Genre wieder einen Kinoerfolg zu verschaffen. Dieser blieb nämlich auch versagt: Mit geschätzten 80 Millionen Dollar Verlust ist „Die Piratenbraut“ ein doppelt so hohes Desaster wieder der bisherige Rekordhalter „Heaven’s Gate“.

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